Künstlerhaus Kunsthalle Kulturlabor

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27. Dezember 2019—19. April 2020

Electronic Flow(er) — Bilder und Klänge der Natur

In der Ausstellung Electronic Flow(er) begeben sich drei künstlerische Positionen mit zeitgenössischen, technischen Mitteln auf Spurensuche nach neuen Zugängen zur Natur. Im Mittelpunkt stehen Klanginstallationen und audiovisuelle Arbeiten, die das Verhältnis zwischen Kunst, Natur und Technologie sowie den menschlichen Umgang mit unserem Ökosystem sinnlich erlebbar machen. Mit Anna Comiotto, Simon Lerin / Bettina Hystad, Marcus Maeder.

Saaltext

Die Ausstellung Electronic Flow(er) zeigt das Schaffen von vier Künstler*innen, die sich auf eine Suche nach unterschiedlichen Zugängen zur Natur begeben. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Klanginstallationen und audiovisuelle Arbeiten, die das Verhältnis zwischen Natur und Technologie thematisieren, Klänge der Flora wiedergeben und das Bodenleben erfahrbar machen. In «AUTARK I» experimentiert Anna Comiotto mit Elementen der Lithosphäre. Nach Selbstversorgung suchend schafft  die Künstlerin aus Erde, Erz und Gestein ein geheimnisvolles Aggregat, das Strom produziert und hörbar macht. Mit Draht verbunden und mit wenig Wasser benetzt, werden  Elemente der Erdkruste elektrisch aktiv. In dieser Klanginstallation verwischen sich die Grenzen zwischen Archaischem und Modernem, zwischen Natur und Technologie.

Beim Projekt «Electronic Flora» des Duos Simon Lerin und Bettina Hystad wird die Flora Protagonistin im künstlerischen Prozess, indem sie bioelektrische Impulse abgibt, die das Künstlerduo anhand von Sensoren und einem Synthesizer in  Töne verwandelt. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Blumen, Pflanzen und Bäumen sind Kompositionen entstanden,  deren Klänge mit den stimmungsvollen Landschaften der  Videos kombiniert sind. Die künstlerische Praxis von Marcus Maeder zeichnet sich durch eine Aufmerksamkeit für umweltbezogene Fragestellungen aus, die er akustisch erforscht. «Edaphon Braggio» ist eine Klanginstallation, die an das multidisziplinäre Projekt «Sounding Soil» anknüpft. Die eigens für die Kunsthalle produzierte Arbeit lädt dazu ein, die faszinierenden Geräusche von Bodentieren zu erleben und möchte zugleich für diesen Teil unserer Umwelt sensibilisieren.

 

Die ausgestellten Werke

Anna Comiotto AUTARK I, Klanginstallation, 2016/2018
Die Klanginstallation AUTARK I ist für die Künstlerin ein Versuchsfeld, um aus Elementen der Erdkruste Energie zu gewinnen. Die mysteriösen Kräfte der Natur, die diese Arbeit zeigt, sind schon fast in Vergessenheit geraten. Naturforscher beschrieben bereits im 19. Jahrhundert, dass im Erdboden zwischen Gestein und Erz Ströme fliessen. Sie spannten lange Drähte zwischen Felsen und Erzadern, und fanden elektrisch aktives Gestein. Die archaisch anmutende Hardware aus feuchter Erde, Steinen und Erz formt  ein Aggregat für Strom. Sobald sich ausreichend Energie sammelt, entsteht im Schalltrichter ein Ton. Die Arbeit öffnet Raum für die Beobachtung von Verwandtschaft und Kontrast zwischen  Natur und Technologie.

 

Lerin / Hystad Electronic Flora — Engadin,  Videos / Zeichnungen, 2019
Während des Aufenthalts im August 2019 im Künstlerhaus der Fundaziun Nairs  entwickelten Lerin / Hystad ihr Langzeitprojekt Electronic Flora weiter. Auf zahlreichen Wanderungen erkundete das  Duo mit Sensoren ausgestattet die eigentümliche Natur des Unterengadins.  Entstanden sind Kompositionen aus bioelektrischen Impulsen von Enzian, Edelweiss, Arven und Flechten aus dem Wald Tamangur. Das Duo betrachtet die Flora nicht als Objekt, sondern als Subjekt,  welches den Entstehungsprozess dieser Kompositionen mitsteuert. Den hörbar gemachten Lebenssignalen der Pflanzen werden durch verschiedene Klangfarben eigene Charaktere verliehen. Rhythmen und Tonfolgen treffen in der Ausstellung auf das Bild ihrer selbst in Form von  Videos und Zeichnungen.

 

Marcus Maeder Edaphon Braggio, Klanginstallation, 2018 Fictional Territories 1-x, Zeichnungen, 2019
«Wie tönen die Lebewesen des Bodens?» bildet die Kernfrage des Projekts «Sounding Soil». Im Calancatal, inmitten der Alpen, befindet sich die Gemeinde Braggio, deren Bodenbiodiversität der Künstler akustisch untersucht hat. Die daraus entstandene Klanginstallation Edaphon Braggio, bei der die Hörbarkeit sowie die Fühlbarkeit im Vordergrund stehen,  repräsentiert eine akustische Topografie des Ortes, wobei die Klangquellen den Aufnahmeorten entsprechen. Die sich aus den einzelnen Quellen ausbreitenden Geräuschkulissen interagieren miteinander, grenzen sich voneinander ab und verweisen dadurch auf das Ökosystem der Communities im Boden. Die Arbeit ist von einer  Reihe Zeichnungen begleitet, die als fiktive Landkarten zu verstehen sind und deren Linien die Konturen von Grenzen, Bergen,  Seen und Wurzeln zu suggerieren scheinen. Somit verschmelzen menschlicher Eingriff und vielfältige Natur in Bildern, die fast surreal wirken.

Kuratorin: Nadia Bensbih

 

Bilder:
1 Anna Comiotto AUTARK I, Klanginstallation, 2016/2018
2 Lerin / Hystad Electronic Flora — Engadin,  Videos / Zeichnungen, 2019
3 Marcus Maeder Edaphon Braggio, Klanginstallation, 2018 Fictional Territories 1-x, Zeichnungen, 2019

Fotografien: © Nelly Rodriguez

 

Einladungskarte (PDF)
Saaltext (PDF)