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10.—12. September 2021

Kolloquium «It is not the End of the World»

Das Kolloquium anlässlich unserer diesjährigen Gruppenausstellung «It is not the End of the World» gemeinsam mit den Künstler*innen Pauline Julier (Genf), Emilija Škarnulytė (Tromsø), Superflex (Dänemark), Riikka Tauriainen (Zürich, Helsinki) sowie Marie Velardi (Genf) haben wir mit grossem Erfolg abgeschlossen. Ausgangspunkt für das Kolloquium vom 10. bis 12. September 2021 waren die vielfältigen Fragestellungen und metaphorischen Bilderwelten zum Anthropozän in der aktuellen Kunstdebatten und denen der Kunstgeschichte, die die Auswirkungen und Erscheinungen des Anthropozäns vielfältig beschreiben und komplex reflektieren.

Ausgehend vom Ort Nairs haben lokale ( u.a. Romana Ganzoni), nationale ( u.a. Yvonne Volkart, Michael Hagner, Georges Steinmann, Peter Schneemann, Stefan Haupt) sowie internationale Referent*innen (u.a. , Frédérique Aït-Touati, Rasa Smite, Christian Schüle  aus den Disziplinen Kunst, Kunstwissenschaft, Philosophie, Klimaforschung, Philosophie, Kulturwissenschaft und Wissensgeschichte teilgenommen. Es waren spannende und erhellende Vorträge, Referate und teils sehr politische und provokante Talks zu aktuellen Forschungsansätzen und den Herausforderungen des neuen geochronologischen Zeitalters ganz allgemein und konkret, denen der Kunst und ihrer Kunstinstitutionen, deren zukünftiger Rolle und gesellschaftlicher Funktion, den speziellen Wahrnehmungs- und Kommunikationsproblematiken innerhalb der Gesellschaft.

Was kann Kunst leisten, was Wissenschaft nicht leistet – und umgekehrt. Was kann Nairs beitragen, was leistet der Nukleus dieses Begegnungs- und Rückzugsortes selbst innerhalb dieser Diskurse so dicht an der Natur gelegen, dessen geologisches Gedächtnis – das Unterengadiner Fenster – sich heute in seinen neuzeitlichen Verwüstungen, baulichen Wunden und Antlitz menschlicher Verfehlungen, Wahnvorstellungen und Verwerfungen zeigt. Nairs ist Ort der Besinnung, des Hinhaltens und Unort zugleich. Nairs ist scheinbar zeitlos. Nairs ist Ausdruck eines dem politischen Zeitgeschehen und eines dem historischen Weltenlauf geopferten Scheiterns. Trotzdem das Areal so weit ab vom Geschehen liegt, wurde auch Nairs vom politischen Wandel und historischen Umbrüchen überrannt, ist Nairs nicht nur natürliche Quelle, sondern auch historische Halde. Auch dies haben wir erläutert und in diesen zwei sehr intensiven Tagen ausgiebig besprechen und gemeinsam reflektieren können.

 

Alle Beiträge, Vorträge und Talks sind in Kürze auf unserem YouTube Kanal einsehbar.

Programm

Freitag, 10. September

15 Uhr
Einlass mit Öffnung der Kunsthalle

16 Uhr
Naturalis Historiae, Filmessay von und mit Pauline Julier (Filmautorin, Künstlerin), in englischer Sprache, 56 Minuten.

17.30 Uhr
Input digital mit Frédérique Aït-Touati (Science Po, Paris, ZKM Karlsruhe), in englischer Sprache
anschliessend Talk mit Toni Hildebrandt (Moderation, Kunsthistoriker / Uni Bern), Frédérique Aït-Touati (Literaturwissenschaftlerin, Wissenschaftshistorikerin, Regisseurin), Pauline Julier (Künstlerin) und Sabine Rusterholz Petko (Kunsthistorikerin, Kuratorin), in englischer Sprache

19 Uhr
Think WE MUST mit Diana Rojas (Performerin) und Riikka Tauriainen (Künstlerin)
Feministische Perspektiven zum Anthropozän in der Reihe Frauenbilder in Graubünden

20 Uhr
Gemeinsames Abendessen

21 Uhr
Buchvorstellung zum Anthropozän «Foucaults Pendel und wir (anlässlich der Installation zwei graue Doppelspiegel für ein Pendel von Gerhard Richter)» von und mit Michael Hagner (Mediziner und Wissenschaftshistoriker / ETH Zürich), mit anschliessendem Gespräch

Ab 22 Uhr
Music & Dance Floor mit DJane Brandita and Guests an der Nairs Bar

Samstag, 11. September

9.30 Uhr
Peter J. Schneemann (Kunsthistoriker / Uni Bern) «Jenseits der Abbildung. Der ökologische Imperativ als Herausforderung für künstlerische und kunstwissenschaftliche Praktiken», mit anschliessendem Gespräch

10.30 Uhr
Toni Hildebrandt (Kunsthistoriker/ Uni Bern) «Feuerasche und Feuerwerk.
Passagen der Postapokalyptischen Imagination, 1945/2011», mit anschliessendem Gespräch

11.30 Uhr
«Ästhetik als Prävention. Künstlerische Praxis im Horizont des Anthropozäns.» Experimentelles Gespräch mit George Steinmann (Bildender Künstler / Musiker / Forscher)

12 Uhr
Gemeinsamer Mittagstisch in Nairs

13 Uhr
Nairs Art-Talk mit Peter J. Schneemann (Moderation), Toni Hildebrandt, Sabine Rusterholz Petko, George Steinmann, Riikka Tauriainen

14.30 Uhr
Ökodaten — Ökomedien — Ökoästhetik: Waldspüren in Zeiten der Klimaerhitzung mit Yvonne Volkart (Kunst- und Medienwissenschaftlerin, FHNW) und Rasa Smite (Künstlerin), mit anschliessendem Gespräch

16 Uhr
Alpine Signals Twentysix Cell Towers in the Engadin, Buchpräsentation und Talk mit Thomas Kneubühler (Künstler) und Romana Ganzoni (Autorin)

17.30 Uhr
Christian Schüle (Philosoph, Soziologe, Theologe und Essayist) «Apokalyptik im Anthropozän — von Ängsten in unsicheren Zeiten und der schöpferischen Lust am Untergang», mit anschliessendem Gespräch (Moderation: Toni Hildebrandt und Cornelia Schwab)

19 Uhr
Gemeinsames Abendessen

21 Uhr
In der Reihe Nairs Art Cinema zeigen wir den Film «Zürcher Tagebuch» in Anwesenheit des Regisseurs Stefan Haupt, mit anschliessendem Talk (Moderation: Cornelia Schwab)

Ab 22 Uhr
Music & Dance Floor mit DJane Brandita and Guests an der Nairs Bar

Sonntag, 12. September

10.30 Uhr
Naturwanderung «META-MORPH in process» geführt von Coralie Wipf
(Grafikerin) und Juliette Chrétien (Fotografin / Autorin)

Treffpunkt: Talstation Motta Naluns
Verpflegung: individuell

Die gesamte Programmübersicht entnehmen finden Sie ebenfalls in unserem Flyer.

Impressum
Projektleitung / Redaktion: Cornelia Schwab (Co-Direktion) in Zusammenarbeit mit Sabine Rusterholz Petko (Gastkuratorin)
Veranstalter: Fundaziun Nairs — Nairs Diskursiv

BUILDING IDENTITY

Das Kolloquium ist unteranderem Teil der Ausstellung «Bulding Identiy» im Curuna Ardez

Eröffnung: Samstag 7. August 16:00-19:00

Ausstellungsdauer: 31. Juli bis 24. Oktober 2021

Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag von 14:00 bis 17:00 oder nach Vereinbarung unter www.curuna-ardez.com

 

Ausgewählte Kunstwerke von Heidi Bucher und Fotografien von Johann Feuerstein

Im Dialog mit Entwurfsarbeiten der Architekturstudierenden des Studio Boltshauser, Departement Architektur, ETH Zürich – Projekte aus der Engiadina Bassa.

Kuratiert von Mayo Bucher und Roger Boltshauser, in Zusammenarbeit mit Seraine Feuerstein, Fundaziun Fotografie Feuerstein sowie mit freundlicher Unterstützung des Institut GTA Zürich.

Identität kennzeichnet Städte und Dörfer mit einem spezifischen Charakter, unterscheidet sie von anderen und macht sie zu Orten. Doch was macht Identität aus? Und wie kreieren wir Identität? Das Studio Boltshauser am Departement Architektur der ETH Zürich setzte sich im Frühlingssemester 2019 erstmals mit der Einheitsgemeinde Scuol auseinander und entwickelte Masterpläne sowie Strategien für den Ort im Unterengadin. Im Herbstsemester 2020 wurden die gefundenen Themen anhand aktueller Bauaufgaben und Bauplätze vertieft. Der ländliche Raum als ein sich rapide und radikal verändernder Ort wurde untersucht, Entwicklungsstrategien für Scuol als Heimat verschiedener Generationen, als Ort der Kunst, des Handwerks und der Kultur wie auch als Tourismusdestination wurden erarbeitet. Dabei waren die Beschäftigung mit der traditionellen Baukultur, der Umgang mit der historischen Substanz durch Umnutzung, An- und Umbau sowie Verdichtung, aber auch die Aspekte der Nachhaltigkeit in den historischen und neuen Strukturen von grosser Wichtigkeit. Die dabei entstandenen Studierendenarbeiten werden nun zusammen mit Werken von Heidi Bucher sowie Fotografien von Johann Feuerstein in der Curuna Ardez gezeigt. Gemeinsam suchen Kunst und Architektur nach Identität in Räumen und Fassaden, Plätzen und Strassen, Landschaften und Gesprächen.